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Italien in Bayern. Kunst und Künstler

Klaus Kratzsch und Elisabeth Wünsche-Werdehausen, Italien in Bayern. Kunst und Künstler, 208 Seiten, zahlr. Abb., Format 17,5 x 25 cm, 1. Auflage 2010

12,80 €
Zum Inhalt

Seit über 2000 Jahren bestehen enge Beziehungen zwischen Bayern und Italien. Diese Verbindungen sind nicht nur durch die geographische Nähe bedingt, sondern vor allem dem intensiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern geschuldet. Schon das Weltreich der römisch-antiken Kaiser und die mittelalterlichen Wanderkünstler aus Norditalien haben in Bayern noch heute sichtbare Spuren hinterlassen. Aber vor allem die Kunst der Renaissance und des Barock in Bayern nördlich der Alpen ist ohne den Einfluss Italiens nicht denkbar. Auch im 19. Jahrhundert hatte der Süden nichts von seiner Faszination eingebüßt: Das Stadtbild und die Kunstmuseen Münchens sind bis auf den heutigen Tag entscheidend von den stark italienisch geprägten Bauten sowie von den Kunstankäufen König Ludwigs I. bestimmt.

Mit diesem Buchprojekt liegt erstmals eine alle Epochen umfassende Gesamtdarstellung der Einflüsse Italiens auf die Kunst Bayerns vor, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf der Zeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert liegt. Völlig neu ist zudem die Annäherung an das Thema. Die Italienrezeption wird nicht nur im Hinblick auf die Stilentwicklung der bayerischen Kunstgeschichte beleuchtet. Vielmehr werden die Ursachen, Hintergründe, Formen und Wege der Italienbezüge betrachtet.

Vor allem in Renaissance und Barock nahmen sich Auftraggeber und Künstler die italienische Kunst zum Vorbild, denn hier waren diese Stile entstanden und galten daher in ganz Europa als "modern" und nachahmenswert. Eine Orientierung nach Italien konnte aber auch Gründe haben, die über das rein Künstlerische hinausgingen, das heißt durch politische, dynastische oder wirtschaftliche Kontakte motiviert sein, die durch Kunstwerke zum Ausdruck gebracht werden sollten. Rom als Zentrum der katholischen Christenheit bot schließlich einen wichtigen Bezugspunkt für Bayern, die Zugehörigkeit zum rechten Glauben zu manifestieren. Hier spielten Ordensgemeinschaften oft eine bedeutende Rolle. Auch die Wege, auf denen die italienische Kunst nach Bayern vermittelt wurde, konnten höchst unterschiedlich sein: Künstler aus dem Norden begaben sich, auf eigene Initiative oder dank der Förderung eines Mäzens, zur Weiterbildung nach Italien und setzten dann später das Gelernte in Bayern um. Oder italienische Künstler wurden, von engagierten Auftraggebern berufen oder auf eigene Verantwortung, nördlich der Alpen tätig. Bisweilen brachten Mäzene oder Kunstagenten auch direkt italienische Werke nach Bayern mit.


An ausgewählten prominenten Beispielen wie dem Kloster Weltenburg, dem Augsburger Rathaus, der Theatinerkirche und der Lehnbach-Villa in München und Tiepolos Fresken in der Würzburger Residenz sowie dem Pompejanum in Aschaffenburg wird erläutert, wie der Italienbezug zustande kam und wie er formal oder inhaltlich umgesetzt wurde. Es kommen ausschließlich erhaltene Bauwerke und ihre Bildausstattung sowie einige ausgewählte Museumsstücke zur Sprache, die man im bayerischen Staat, wie er seit dem frühen 19. Jahrhundert besteht, besichtigen kann. Eine abschließende topographische Auflistung nach Orten sowie eine Orientierungskarte erleichtern die Verwendung des Buches auf Reisen.

Insgesamt versteht sich die Publikation als Ergänzung zur Landesausstellung "Bayern-Italien", die von Mai bis Oktober 2010 in Augsburg und Füssen stattfindet, aber nur zum Teil der bildenden Kunst gewidmet ist. Dank dieses Ausstellungsprojekts wird die Öffentlichkeit stärker als bislang für das Verhältnis zwischen Bayern und Italien sensibilisiert sein. Das Thema verspricht daher sowohl für den kunsthistorischen Spezialisten als auch für den interessierten Laien von Bedeutung zu sein: Bayern könnte nach der Lektüre noch deutlicher als "nördlichste Region Italiens" erscheinen.

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