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Dominikus Böhms Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm

Manuela Klauser, Der betende Raum. Dominikus Böhms Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Ein Schlüsselbau der modernen Sakralarchitektur, 104 Seiten, zahlr. Abb., Format 17 x 24 cm, 1. Auflage 2010

16,80 €
Zum Inhalt

St. Johann Baptist in Neu-Ulm, der Initialbau der erfolgreichen Architektentätigkeit des schwäbischen Kirchenbaumeisters Dominikus Böhm (1880–1955), repräsentiert als eine der ersten katholischen Kirchen des 20. Jahrhunderts die unter Verwendung von neuen Formen und Materialien gestaltete moderne Ausrichtung des Sakralbaus.
Die umfassende Architekturstudie "Der betende Raum", benannt nach einem gleichlautenden Zitat des Baumeisters, zeigt die Verbindung zwischen Böhms – dem späten Historismus und deutschen Expressionismus entnommenem – Formenvokabular und seiner Idee eines religiös inspirierten Raumerlebnisses. Die markante Baugestalt der 1922–1926 von Dominikus Böhm modernisierten Pfarrkirche wird anhand ausgewählter Beispiele aus seinem Œuvre in die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeordnet. Den Ausgangspunkt bildet dabei eine intensive Aufarbeitung der Bauakten im Nachlass des Architekten sowie der Quellen in den Archiven der Stadt und des Pfarramtes Neu-Ulm. Erwähnung finden auch berühmte Lehrmeister Böhms, etwa der Stadtplaner und Mitbegründer des "Deutschen Werkbundes" (1907) Theodor Fischer oder die beiden Fachgenossen – und Gründer des "Studienkreises für Kirchenkunst" (1935) – Martin Weber und Rudolf Schwarz. Dominikus Böhms enge geistige und künstlerische Verbindung zu den Anhängern der Liturgischen Bewegung, darunter vor allem die bauaffinen Geistlichen Johannes van Acken und Romano Guardini, macht deutlich, mit welchem Einsatz er sich um eine architektonische Renovation des Sakralbaus im Sinne der liturgischen Erneuerung bemühte.
Die detaillierte Schilderung des Entstehungsprozesses von St. Johann Baptist lässt das tiefgreifende Konzept des Architekten – belegt durch zwei im Buch abgedruckte Erläuterungsberichte – verständlich werden. In diesem Zusammenhang hinterfragt die Autorin auch kritisch den heutigen Umgang der Denkmalpflege mit der Bausubstanz.

Ziel dieser Veröffentlichung ist neben der Hervorhebung des Baus als Meilenstein der Architekturgeschichte auch, durch die genaue Darstellung des historischen Kontextes die Sensibilität für die Entwicklungen im gesamten modernen Kirchenbau zu schärfen. Im Gegensatz zu den architektonischen Zielen der klassischen Moderne stand dort nämlich nicht in erster Linie der Bruch mit Traditionen im Vordergrund. Vielmehr stellt sich durch das Beispiel St. Johann Baptist die Weiterentwicklung traditioneller Formen und Grundrisse als treibende Kraft des katholischen Kirchenbaus vor dem Zweiten Weltkrieg dar.

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